#ONSTAGE: TECHNO CLASSICA 2018 – F&M SPECIAL

Ohne den Einsatz Lancia Werksfahrer Claudio Maglioli (1940 – 2012) wäre Lancia im Rundstrecken-Rennsport gar nicht denkbar. Und nachdem Maglioli beim 24-Stunden-Rennen von Daytona 1969 im Cockpit einer Fulvia Sport wahnsinnig geschwitzt hatte, kamen er und der damalige Rennleiter Cesare Fiorio auf eine skurrile Idee: Sie schnitten einfach das Dach ab. So entstand die Barchetta F&M Special (für die Initialen Fiorio & Maglioli), plus Verkürzung des Hecks, brachiale Leichtbau- und Leistungssteigerungs-Maßnahmen. Maglioli war nicht nur Pilot, er war auch ein begnadeter Techniker der später den Stratos mitentwickeln sollte. Beim 1000-km-Rennen 1996 auf dem Nürburgring feierte die Squadra Corse mit diesen Flachmännern dann einen doppelten Klassensieg: Platz 1 (und P27 im Gesamt) für Munari/Aaltonen und Platz 2 (P29 im Gesamt) für Maglioli und Lele Pinto.

 

 

 

 

 

 

Neben der Umwandlung zur Barchetta verkürzte man das Heck um 24 Zentimeter und holte gegenüber dem HF Coupé nochmal 80 überflüssige Kilo aus dem Auto. Um noch genügend Verwindungssteifigkeit zu bewahren, wurde der Aufbau durch einen Gitterrohrrahmen verstärkt. Mit diesem Modell trat Lancia bei der Targa in der Klasse bis 1,6 Liter an. Der F&M Special wurde in drei Exemplaren hergestellt, von denen das letzte eine eigene Sonder-Karosserie hatte. Der erste Wagen stammt aus einem Rallye-HF-Prototypen mit einem speziellen Motor (mit 1,4 L Liter Hubraum und 145 PS), der bei Tour de Corse 1967 und Targa Florio 1968 zum Einsatz kam. Als Motor wurde jedoch hier von Anfang an ein 1,6 HF mit 145 PS bei 7000 U/min eingesetzt, er erreichte in der letzten Evolutionsstufe 162 PS. Alle Motoren hatten einen speziellen Ansaugkrümmer, um die Höhe der Motorhaube abzusenken.

Auf der Messe Techno-Classica in Essen zeigen wir eine gut gemachte Replika der F&M Special, bei der der bereits „seniorige“ Maglioli beratend tätig war. Das Fahrzeug ist zu verkaufen.

Einer von den drei „echten“ Italo-Flachmännern stand 2015 bei einer Auktion von Coys zum Verkauf. Bei dem unter den Hammer gekommenen Modell handelt es sich um das zweite von drei für das Werksteam unter gebauten Fulvia Coupé. Chassis ‘00200’ gilt als das einzig noch existierende Exemplar von ehemals drei Barchettas. Nach langen Jahren im Verborgenen war es vom Vorsitzenden des Lancia Registers, Oscar Capellani, aufgestöbert worden war. Es folgten nochmals jahrelange zähe Verhandlungen, bis es Capellani endlich gelang, das Auto zu kaufen. Danach setzte er das “Bötchen” (italienisch: Barchetta) bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr bei kleineren Rennen rund um Turin ein. Das sehr originalgetreue und mit der richtigen Prise Patina veredelte Stück Motorsportgeschichte der späten 1960er Jahre ging beim Auktionator Coys für £ 231.000 (umgerechnet 277.000 €) an einen neuen Besitzer.

Claudio Maglioli

Claudio Maglioli wurde am 9. Juni 1940 in Bioglio in der Provinz Biella geboren. Er war der Bruder von Umberto Maglioli, einem der berühmtesten italienischen Rennfahrer der 1960er- und 1970er-Jahre für Lancia, Ferrari, Werksfahrer bei Porsche usw. Er war vielbeschäftigter Fahrer der HF Squadra Corse ab dem Frühjahr 1965 bei Berg- und Rundstreckenrennen sowie einigen Rallyes bis 1966 auf Flavia – italienischer Rundstreckenmeister auf Flavia und Fulvia. Als Mann der ersten Stunde für Berg- und Rundstreckenrennen auf Fulvia ab Frühjahr 1966. Es gab wenige Männer, die wie Claudio Maglioli sowohl Spitzenfahrer als auch Fahrzeugentwickler waren und vielen Fahrzeugen das „Schnellsein“ aus eigener Erfahrung beibringen konnten. Sein Namen war in den Renn- und Rallyefahrerkreisen wohlbekannt, in den Oldtimerzeitschriften wurde er in den letzten Jahren als „Elder Statesman“ mehrfach interviewt und zeigte sich gerne in seinen Fahrzeugen. „Meine Lehrer waren auf jeden Fall mein großer Bruder Umberto und der Fahrer Giovanni Bracco, der mich immer ermutigt, auch in den kritischsten Momenten. Ich war zufrieden, dass ich auch von anderen Automobilherstellern wie Alfa Romeo, Abarth, BMW lohnende Angebote erhalten, habe aber alle abgelehnt, weil ich der Meinung war, dass ich mit Lancia auch nach dem Ende meiner Wettbewerbskarriere eine dauerhafte Zusammenarbeit aufrechterhalten kann.“ Sagt Maglioli in einem Interview. Was sich auch bewahrheitete, den er wurde ab 1971 in die Entwicklung des Stratos eingebunden.

  • 1967 Europäischer Tourenwagenmeister GT bis 1.300 ccm mit Fulvia
  • 1968 Renneinsätze auf europäischen und amerikanischen Rundstrecken
  • 1969 Initiator und Mitentwickler der Fulvia-Barchettas „F&M Special“
  • ab 1971 eingebunden in die Entwicklung des Stratos (mit Michael Parkes)

https://www.racingsportscars.com/type/Lancia/Fulvia%20F—M%20Special.html
http://www.alma.it/vanzettip/fulvia/eng/Fulvia.F&Mracing.html
http://www.alma.it/vanzettip/fulvia/eng/maglioli.html